Beitrag zur Klima

Beitrag zur Klima

Circa eine Milliarde Menschen leiden an Unterernährung, während 8 Menschen so viel Vermögen wie die ärmere Hälfte des Planeten besitzen. Das müssen wir uns erstmal vor Augen halten.
Diese soziale Ungleichheit wird durch den menschengemachten Klimawandel um ein vielfaches verschärft, mal abgesehen von der Zerstörung weiter Teile des Planeten, zu dem vor allem der Abbau von Braunkohle einen erheblichen Anteil leistet. Bei einem weiteren Temperaturanstieg um 2,8 Grad bis 2050 würden laut Prognosen 100–150 Mio. Menschen Opfer von Überschwemmungen durch den Meeresspiegelanstieg werden. Zusätzliche 600 Mio. könnten von Hungersnöten auf Grund von Dürreperioden und unfruchtbaren Böden betroffen sein. Um die 200 Mio. Menschen werden von einer klimabedingten Flucht betroffen sein: Nahezu alles Menschen aus Entwicklungsländern des globalen Südens. Das sind fast eine Milliarde Menschen, ein siebtel der Erdbevölkerung, die Einwohner der EU und der USA zusammen.

An dieser Stelle möchte ich den Klimaaktivisten Tadzio Müller, tätig für die Rosa-Luxemburg-Stiftung, zitieren. Dieser sagt:
“Wir denken oft, wir säßen alle im berühmten „selben Boot“. Das ist leider falsch. Wenn wir alle im selben Boot – sagen wir mal, dem (Raum-)Schiff Erde – säßen, dann gibt es doch auf diesem Schiff mehrere Klassen, und im Fall einer Havarie werden die unteren Decks zuerst geflutet, und wie auf der Titanic gibt es Rettungsboote vor allem für die, die sie sich leisten können. Ein […] Beispiel sind die steigenden Meeresspiegel: die steigen für alle, aber in Bangladesch saufen die Leute ab, während in Holland schwimmende Städte gebaut werden – mit den Ressourcen, die in Holland angehäuft wurden, während der globale Umweltraum entspannt als Müllkippe gebraucht wurde.”

Diese Prognosen und der Vergleich sind zwangsläufige Folgen des Kapitalismus, die durch die fortschreitende Umweltzerstörung immer extremer werden. Das Problem ist, dass der Kapitalismus ohne Umweltzerstörung undenkbar ist:
Die Kapitalist*innen müssen nach Profitlogik handeln und eine immer höhere Produktivität erreichen, um dem Konkurrenzdruck standzuhalten. Diese Wachstumslogik erzwingt eine vollständige Ausbeutung unseres Planeten, ohne Rücksicht auf andere Menschen, Lebewesen und nachfolgende Generationen. Sie ist untrennbar mit dem Kapitalismus verbunden und Ursache der ungehemmten Umweltzerstörung, die wir im Moment erleben. Doch statt Revolution erleben wir Reaktion. Ein Teufelskreis, der sich immer weiter verschärft.

Zusätzlich zu diesem Problem tritt zunehmend das Faktum der endlichen Ressourcen auf. Der Umgang mit der Endlichkeit von Ressourcen muss also in nächster Zeit bewusst und nachhaltig geschehen, wenn nicht alles verbraucht werden soll.
Weiterhin ist es ein frappierender Umstand, dass sich selbst klimapolitische Maßnahmen nicht in einer sichtbaren Senkung der CO2-Emissionen niederschlagen. Der einzige signifikante Einbruch dieser Werte ist im Verlauf der Rezession in Folge der Finanzkrise 2008 zu beobachten.
Das zeigt: Wer die Umwelt retten möchte, muss vor allem das ungehemmte Wachstum stoppen. Das ist im Kapitalismus nicht denkbar, daran ändern auch die Heilsversprechen moderner Technologien nichts. Auch das Konzept des grünen Kapitalismus, der eine Versöhnung kapitalistischer Wirtschaftsweise mit einem nachhaltigen Umgang mit der Natur anstrebt, ist unzureichend, denn: Privateigentum an Produktionsmitteln, Profitorientierung, Wettbewerb und Wachstum können nicht in Einklang mit Klimagerechtigkeit gebracht werden.

Das alles bedeutet: Gerechtigkeit können wir nur erreichen, indem die Menschen selbst über ihre Produktionsmittel verfügen und gemeinsam und demokratisch darüber entscheiden, was und wie produziert wird. Nur eine befreite Gesellschaft hat die Chance, verantwortungsvoll mit der Natur umzugehen.

Und immer wenn wir solche Reden hören, erschlägt es uns fast. Ich habe mal gelesen „Somebody didn’t do anything. I am somebody and you are somebody too.” Und das fand ich sehr treffend. Denn wir können etwas gegen dieses System tun. Ich kann das. Du kannst das. Super, dass ihr schon den Weg hier hergeschafft habt, doch nun geht die eigentliche Arbeit los: Vernetzt euch, organisiert euch.

Sucht den Kontakt mit euren Freund*innen und euren Mitmenschen und redet mit ihnen darüber. Macht Druck auf die Politiker*innen, mit Petitionen, Briefen, Emails, Demonstrationen. Organisiert euch, schließt euch Streikbewegungen wie den Fridays for Future an, um der herrschenden Klasse zu zeigen, dass wir in der Tat mehr Macht haben, als sie uns zugestehen. Werdet aktiv für den Kohleausstieg bei Ende Gelände, in jedem Fall, tut etwas!
Denn wir wollen ein Ende dieser Symbolpolitik, die nichts bewirkt. Wir wollen ein radikales Umdenken, auf das Taten folgen. Wir wollen ein gerechtes Wirtschaftssystem, das den Bedürfnissen aller Menschen gleichermaßen gerecht wird und unsere Umwelt entlastet.
Noch ist es nicht zu spät.
Deswegen: Bewegt Euch!